Reiseberichte

Deutschlandtour - 11.06. bis 23.06. 2003 von München bis Wilhelmshaven

1. Tag - ca. 20 km
Die ganze Nacht habe ich schlecht geschlafen, weil ich einen eingeklemmten Nerv im Nacken hatte. Außerdem war ich wohl auch ein bisschen nervös. Morgens um 5 Uhr bin ich aufgestanden, um den Zug um 6:30 Uhr ab Wilhelmshaven erreichen zu können. 

Bahnfahren mit Fahrrad und Gepäck darauf ist ein Abenteuer, welches ich nicht so schnell wieder erleben möchte. In der Nordwestbahn war noch alles in Ordnung. In Oldenburg der erste Schock, die Treppen ohne Laufschiene für das Rad und kein Fahrstuhl. Viele Männer sahen zu wie ich vor Erschöpfung fast umgefallen bin, aber eine Frau erbarmte sich, mir zu helfen die Treppe zu erklimmen. Der Waggon für die Räder hatte keine Halteeinrichtung für die Räder, und von einer gewissen Ordnung darin konnte man auch nicht sprechen. Der Wagon für die Räder war hinten und meine Platzreservierung war vorn im Zug, obwohl hinten genug Platz war. Was soll denn noch die Platzreservierung? Laut Fahrplan war in Augsburg 7 Minuten Aufenthalt, aber es war vorauszusehen, dass das zuwenig sein würde. Die Schaffner hatten keinen Überblick, wo es Anschlussmöglichkeiten geben würden. Ein Mitreisender sagte mir, ich sollte schnell in den vorderen Teil des Zuges gehen, dieser würde nach München weiterfahren. Mein Rad passte kaum durch die Tür, aber irgendwie habe ich es geschafft. Zum Glück hielt der Zug um ca. 15 Uhr in München Pasing, wo ich aussteigen wollte. 

Relativ schnell fand ich die Wohnung meiner Dachgeber Martin und Andrea in Pasing. Nach einem Kaffee und anschließendem Abendbrot sind wir noch mit dem Rad zum nahe gelegenen Baggersee gefahren. Die Abkühlung tat gut, und Schlafen konnte ich in der nächsten Nacht dann auch sehr gut.
 

2. Tag - ca. 75 km
Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück endlich mit dem Rad los! Entlang der Würm, einem kleinen Fluß, ging es Richtung Südwest zum Starnberger See. 

Es wurde sehr heiß und ich entschloß mich, ca. 5 km vor Starnberg Richtung Westen zum Wörthsee weiterzufahren. Gegen Mittag kam ich am Wörthsee an und kühlte mich im frischen Wasser erst mal ab. Der See wurde mir von Martin und Andrea zum Baden empfohlen. Meine Brotzeit nahm ich noch am See ein, bevor ich weiterfuhr in Richtung Ammersee.

Ammersee

Die Temperatur wurde immer unerträglicher. Zuerst wollte ich am Ammersee wieder baden gehen, aber die Zeit wurde langsam knapp. Ich wollte noch eine Bekannte meiner Mutter in Hechenwang bei Schondorf besuchen. Dort brauchte ich erst mal eine Erfrischung bevor ich mich mit meinen Bekannten unterhalten konnte.

Nach einer Stunde ging es Richtung Nordwest nach Eresing und Penzing weiter. Dort ging es entlang eines neuen Radweges bergauf durch den Wald. Selbst Einheimische kannten den Weg kaum, aber er war ausgeschildert. In Penzing bin ich in Richtung Kaufering gefahren, wo meine nächste Unterkunft war. Gegen 18:30 Uhr kam ich bei meinen Bekannten endlich an. Ich hatte sie seit ca. 10 Jahren nicht mehr gesehen. Die beiden fünfjährigen Zwillingsmädchen des Hauses hatten mich schnell in Beschlag genommen, und ich konnte mich kaum mit dem Vater unterhalten. Wir hatten noch eine leckere Pizza auf der Terrasse gegessen, und vorher hatte er mir noch sein neues Haus gezeigt.
 

3. Tag - ca. 110 km
Nach dem Frühstück packte ich meine Sachen zusammen, um weiter Richtung Augsburg zu fahren. Das Wetter war nach nächtlichen Gewittern jetzt kühler geworden. Nach ca. 2 Stunden Fahrzeit hatte mich ein Gewitter erwischt und zwang mich bei einer verlassenen Gaststätte im Wald Unterschlupf zu suchen. Bis dahin bin ich der romantischen Straße Richtung Norden gefolgt. Dieser Fahrradweg verläuft parallel zum Lech und war nicht immer gut ausgeschildert.

Nach einer halben Stunde war zwar das Gewitter schwächer geworden, aber der Regen nicht. Ich entschloß mich trotzdem, mit Regenzeug, weiterzufahren. Die letzten 10 km vor Augsburg fuhr ich einen Schotterweg direkt an einem kleinen Bach, der parallel zum Lech floss und sehr schön war. Ca. 2 km vor Augsburg fuhr ich rechts von der romantischen Straße ab, um Richtung Friedberg zu kommen. Dort angekommen, regnete es immer noch, und die Leute sahen mich an als wäre ich nicht ganz dicht bei diesem Wetter Rad zu fahren. Ich wollte dann weiter über die Paartaltour Richtung Aichach und Schrobenhausen, aber die Beschilderung war nicht eindeutig. Die Passanten, die ich fragte, waren mir keine große Hilfe, um den richtigen Weg zu finden, aber irgendwie klappte es. Zuerst war es sehr hügelig und der Weg war mit grobem Schotter abgedeckt. Dafür war die Landschaft sehr schön. Als ich in Aichach angekommen war, hörte es auf zu regnen, und ein netter älterer Herr begleitete mich auf seinem Rad wieder aus der Stadt. 

Ca. 3 km vor Schrobenhausen verließ ich die Paartalroute, die sehr schön war, um Richtung Ehekirchen zu kommen. Dieser Weg führte über eine wenig befahrene Landstraße. In Ehekirchen angekommen, war meine Dachgeberin leider nicht da, und ich musste weiterfahren um eine Unterkunft zu finden. Eine Pension in den nächsten Dörfern zu finden erwies sich als sehr schwer. Angeblich vermietet keiner Zimmer für eine Nacht, und ich musste wieder weiterfahren. In der Nähe von der Donau gab es in Bertoldsheim endlich eine Pension für mich, die nicht sehr teuer war. In der Pension gab es kein Abendbrot. Deswegen habe ich eine Pizza mit einer Flasche Wein bestellt. Ich bekam eine leckere Pizza und eine 1,5 l Flasche Wein. Die auf der Terrasse sitzenden netten Monteure, die auch dort wohnten, halfen mir, die Weinflasche zu leeren.
 

4.Tag - ca. 95 km
Nach dem Frühstück fuhr ich ins nahegelegene Rennertshofen. Dort füllte ich meine Nahrungsmittelreserven auf. Es war noch leicht bedeckt und nebelig, aber später wurde es wieder sehr warm. Von Rennertshofen fuhr ich durch das alte Donautal in Richtung Norden nach Dollnstein (ca. 30 km). Das war eine sehr ruhige und schöne Strecke durch die Täler.

Donautal  

In Dollnstein angekommen habe ich erst mal Rast an der Altmühl gemacht. 

Altmühl

Weiter ging es flußabwärts Richtung Eichstätt auf dem Altmühltalradweg. In Eichstätt angekommen zog sich die Stadt recht lang hin. Bei der Durchfahrt sah ich mir noch die schöne Innenstadt an.

Weiter ging es in Richtung Kinding über Walting und Kipfenberg. Der schöne Weg lief immer in Sichtweite der Altmühl, und ab Kipfenberg wurde es etwas hügelig. Kurz vor Kinding bekam ich ein Regenschauer ab, es war aber dann schnell wieder trocken. Ab Kinding soll die Altmühl als Kanal umgebaut sein, zum Glück bin ich dann Richtung Nord West nach Greding entlang der Schwarzach und der A9 gefahren. Ab Greding musste ich noch ca. 8 km bis Groß Höbing fahren um zu meinen nächsten Dachgebern zu gelangen. Dort empfang mich eine nette Familie in einem kleinen Dorf, wo ich sehr gut untergekommen bin.
 

5. Tag - ca. 100 km
Nach dem Frühstück bin ich nicht den offiziellen Radweg weiter gefahren, weil dieser sehr hügelig sein sollte, laut Aussage meines Gastgebers. Nun bin dazu parallel auf der Landstraße Richtung Hilpoltstein gefahren. An diesem Sonntag war auf der Straße nichts los und somit fuhr es sich ganz gut dorthin. In Hilpoltstein ging gerade der Aufbau eines Stadtfestes auf dem Marktplatz vonstatten und ich machte eine kleine Kaffeepause. Von dort aus kam ich an den Donau/Main Kanal und an den Rothsee. Der Rothsee ist ein Stausee der Donau und ein kleines Ferienparadies. Ich fuhr entlang des Kanals in Richtung Nürnberg.

Kanal

Es sollten laut Hinweisschild nur ca. 20 km bis Nürnberg sein, aber es waren wohl eher 30 km. Der Weg entlang des Kanals war grober Schotter und war nicht so gut mit schmalen Reifen zu fahren. Ich fuhr durch schöne Landschaften immer am Kanal entlang. Die Stationen waren Nürnberg, Fürth und Erlangen ohne das ich die Städte direkt gesehen habe. Ich kam gut voran und beschloß in Forchheim bei einer Dachgeberin unterzukommen. Angekommen in Forchheim musste ich auf meine Gastgeberin noch warten und das tat ich in einem netten Café in der Innenstadt. Abends ging ich mit meiner Gastgeberin zum Essen noch auf die Keller (Biergarten auf einem Hügel) welches sehr nett war.
 

6. Tag - ca. 90 km
Morgens ging es weiter am Kanal bis nach Bamberg (ca.30 km). Dort sah ich mir die Innenstadt an und trank danach einen Kaffee. Eine schöne alte Innenstadt, wo auch viele Touristen waren.

Bamberg

Weiter ging es nun entlang des Main, aber nur kurz. Ab Rattelsdorf fuhr ich durch das Itztal Richtung Coburg. In Coburg kam ich gegen 16 Uhr an und sah mir die schöne Altstadt an.

Coburger Rathaus

Auf dem Rathaus unterhalb des Glockenturmes ist eine Figur, die in der rechten Hand eine Wurst hält. Diese Wurst hat die Richtmaße für die Würste die es auch unten auf dem Marktplatz in einer Wurstbude gab. Darum musste ich dann auch eine Wurst dort probieren und sie war sehr lecker und normal lang.

Danach entschloß ich mich, auf die Burg zu fahren. Na ja, schieben war dann mehr angesagt, aber der Ausblick entschädigte für die Strapazen des Aufstieges.

Burg Coburg

Danach suchte ich das Haus meiner Dachgeberin. Ich wurde dort sehr nett von ihr empfangen, und abends saßen wir im Garten bei einem leckeren Abendbrot.
 

7. Tag - ca. 80 km
Morgens ging es weiter Richtung Nordwest nach Bad Rodach. Es wurde heute wieder sehr warm und der Sonnenbrand wurde bei mir zu einem Problem. Nach ca. 20 km kam ich in Bad Rodach an, es war aber keine aufregende Stadt also fuhr auch schnell weiter. Das nächste Ziel war Hilburghausen in Thüringen welches ca. 15 km entfernt lag. Rücksichtslose LKW/PKW Fahrer und steile Berge machte diese Etappe zu einer der schwersten der Tour. Endlich in Hildburghausen angekommen, musste ich erst mal den Werratalradweg finden. Es ging entlang der Werra, die dort noch sehr schmal war, weiter Richtung Meiningen.

Richtung Meiningen

In der Nähe von Meiningen hatte ich wieder eine Dachgeberunterkunft organisiert, diese lag aber sehr hoch auf einem Berg, und ich musste dafür 3 km mein Rad hochschieben. Endlich angekommen, musste ich noch in einem Supermarkt Lebensmittel einkaufen, weil ich mich dort selbst versorgen musste.
 

8. Tag - ca. 130 km
Kurz nach dem ich morgens losfuhr, fing es an zu regnen, aber es war noch recht warm dabei. Es ging weiter an der Werra Richtung Bad Salzungen (35 km) und Philippsthal (25 km). In Tiefenort musste ich von der offiziellen Route abweichen und einen kleinen Umweg machen. Hügelig war der ganze Radweg an der Werra und die Beschilderung ließ zu wünschen übrig. Die ganzen Ortschaften und Städte lohnten nicht für eine nähere Betrachtung und ich fuhr halt immer weiter. Mittlerweile war es wieder trocken, aber in Philippsthal bekam ich wieder ein Gewitterschauer ab.

Philippsthal 

Nun wollte ich mit dem Rad rüber zur Fulda Richtung Bad Hersfeld, dafür musste ich auf dem Radweg R7 an der B62 fahren. Die erste Station war Friedewald in ca. 12 km Entfernung immer bergauf und bei zunehmender Wärme. In Friedewald angekommen war ich ziemlich kaputt, und nun überlegte ich wie ich am besten zur Fulda kommen sollte. Ich entschloß mich über den Friedewalderforst in Richtung Bebra zu fahren. Die Bürger von Friedewald waren keine große Hilfe den Weg nach Bebra zu finden und ich musste mich wieder einmal auf meinen Instinkt verlassen. Erneut ging es mehrere Kilometer bergauf, und wieder zog ein Gewitter heran. Der Weg im Wald war jetzt doch gut ausgeschildert, und irgendwann ging es denn doch wieder bergab. In Bebra angekommen habe ich mir erst mal einen Kaffee und ein Stück Kuchen gegönnt. 

An der Fulda war der Radweg sehr gut ausgebaut und ich kam gut voran. In Rotenburg wollte ich erst zelten, aber das Wetter war mir zu unbeständig. Ich sah in meinen Dachgeberplan und rief einen Dachgeber in Melsungen an. Positive Nachricht, ich konnte zu ihnen fahren, allerdings waren es bis Melsungen noch über 30 km. Schnell habe ich mir noch Rotenburg angesehen und bin den schönen und ebenen Weg weitergefahren.

Rotenburg 

In Melsungen musste ich dann wieder einen Berg erklimmen, um zu meinen Dachgeber zu kommen. Ich bin wieder einmal sehr nett empfangen worden und aß mit der Familie noch Abendbrot, bevor ich früh Schlafen ging. Meine schwerste und längste Etappe während der Tour.
 

9. Tag - ca. 105 km
Das Wetter war an diesem Tag etwas kühler, aber trocken. Der Radweg entlang der Fulda in Richtung Kassel (ca.35 km) war weiterhin sehr schön. In Kassel fuhr ich entlang der Fulda durch den Stadtpark. Der Weg war gut ausgeschildert, da konnte ich mich gar nicht verfahren. Kassel habe ich mir aber nicht weiter angesehen, weil ich vor Jahren schon einmal in Kassel war. Noch in Kassel habe bei einer kleinen Wirtschaft Mittag gegessen. Dort lernte ich zwei andere Radtouristen kennen. Mit Rolf und Berti bin nach dem Essen zusammen nach Hannoversch Münden (ca. 25 km) gefahren. Dort haben mir die beiden die Sehenswürdigkeiten der Stadt im Schnelldurchlauf gezeigt. Sie kannten sich dort gut aus!

Wilke am Weserstein 

Hier auf dem Bild stehe ich neben dem Weserstein, wo Werra und Fulda zusammenfließen.

Weser bei Hann.-Münden 

Hier von der anderen Seite fotografiert. Rolf und Berti blieben in Hann.-Münden und ich radelte noch bis Bodenfelde (ca. 35 km) zu meinen nächsten Dachgebern. Ich entschloß mich, auf der linken Seite der Weser zu fahren und ich weiß nicht ob es nun der bessere Weg war. Ich war zufrieden mit dem Weg, obwohl ich oft an einer vielbefahrenen Straße fahren musste. In Gieselwerder überquerte ich die Weser, um nach Bodenfelde zu kommen. Das Haus in Bodenfelde war nicht so einfach zu finden, weil es schon fast außerhalb der Ortschaft lag. Wieder einmal bin ich nett empfangen worden und habe mit meiner Gastgeberin auf der Terrasse Abendbrot gegessen. Dazu gab es leckeren Rhabarbersaft aus eigener Herstellung. 
 

10. Tag - ca. 40 km
Nach dem Frühstück fuhr ich in Richtung Bad Karlshafen (12 km) weiter, aber die Stadt sah vom Radweg nicht sehr interessant aus also fuhr ich weiter. Bei Würgassen wollte ich auf die linke Seite der Weser, welche ich mit einer kleine Personenfähre erreichte.

Weserfähre

Diese Fähre nutzt die Strömungsverhältnisse der Weser um an einem Drahtseil gehängt den Fluss zu überqueren. Weiter ging es nach Beverungen (10 km) wo ich mir ein bisschen die Innenstadt angesehen habe. Sie war ganz nett aber nicht aufregend, also fuhr ich weiter nach Höxter (ca.20 km). Dort angekommen fuhr ich in die Innenstadt, um mir diese anzusehen. In der Innenstadt war gerade als Veranstaltung ein kulinarisches Wochenende angesetzt. Ich aß dort ein leckeres Menü (Straußenfleisch für nur 6,20 €). Einheimische gaben mir den Tipp, mir das Schloß Corvey anzusehen. Dort fuhr ich nach dem Essen auch hin. Es liegt ziemlich nahe am Weserradweg und war deshalb leicht zu finden. Ich war vom Anblick des großen Schlosses sehr überrascht und entschloss mich, dieses zu besichtigen.

Schloß Corvey

Nach meiner Besichtigung im Schloß, wo auch die Grabstätte von Hoffmann von Fallersleben ist, brauchte ich nur ca.1 km zu meiner Unterkunft zu fahren. Die Dachgeberin Kathrin wohnt in einem alten Bahnhof in einer schönen Wohnung mit hohen Decken. Abends gingen wir noch zu ihrem Lieblingsitaliener, der eigentlich ein Deutscher ist und leckere Vollkornpizza zubereitete. Nach dem Essen ging ich allein in die Innenstadt, um zu sehen, ob dort noch etwas los war. Ich hatte gerade mein Rad abgeschlossen, da rief schon jemand meinen Namen. Die Überraschung war groß, weil ich dort Rolf und Berti wieder gesehen habe, die ich schon in Kassel kennen gelernt hatte. Wir tranken noch etwas zusammen. Danach fuhr ich wieder zu meiner Unterkunft.
 

11. Tag - ca. 95 km
Morgens ging es erst mal links dann rechts der Weser weiter nach Holzminden (12 km). Dort nutzte ich den Wochenmarkt, um meine Essensvorräte wieder aufzufüllen. Holzminden ist eine typische Stadt an der Weser mit alten Gebäuden, die wieder hübsch zurecht gemacht worden sind. Der Weg aus Holzminden war schlecht zu finden, aber ich fuhr anderen Radfahrern hinterher. Unter ihnen war auch Jürgen, der sein Rad ebenfalls mit mehreren Packtaschen behangen hatte. Wir fuhren den Rest des Tages zusammen, und er erzählte mir, dass seine Reise noch nach Bremerhaven gehen sollte.

Weserlandschaft

Wir fuhren durch schöne Landschaften immer der Weser entlang. Nach ungefähr 70 km kamen wir in Hameln an. Wir gingen durch die Innenstadt, schossen ein paar Fotos und tranken einen Kaffee zusammen. Jürgen wollte noch nach Petershagen, aber mir war klar, dass er das nicht mehr schaffen würde. Ich bot ihm an, bis Rinteln mitzukommen, um dort zu zelten. Nach dem Kaffee mussten wir noch ca. 25 km bis Rinteln fahren und ich war froh, mal ein bisschen Unterhaltung während des Fahrens zu haben. Gegen 18 Uhr kamen wir in Rinteln an und bauten unsere Zelte auf einem kleinen Zeltplatz in der Nähe der Innenstadt auf. Abends gingen wir noch in die Innenstadt, um dort zu Essen. Bei einem Mexikaner haben wir lecker gegessen und tranken danach noch Wein zusammen.
 

12. Tag - ca. 70 km
Ich hatte schlecht im Zelt geschlafen und war morgens nicht so gut drauf. Jürgen hatte schon um 6:30 Uhr seine Sachen gepackt und ist wieder abgefahren. Ich holte mir von einer nahegelegenen Tankstelle ein paar Brötchen für das Frühstück. Gegen 10 Uhr hatte ich meine Sachen gepackt und konnte losfahren. 

Rinteln

Ich fuhr noch einmal in die Innenstadt, um noch ein Foto von dem Platz zu machen, wo wir gestern gegessen hatten.

Weiter ging es in Richtung Veltheim/Porta Westfalica. Ich nahm eine Abkürzung über Mühlenhof und Holtrup, um mir eine schwere Strecke über einen hohen Berg zu ersparen. Dort traf ich die Reisegruppe wieder, die mich in Höxter vor dem Schloß fotografiert hat. In Holtrup kreuzte ich die A2 und fuhr über die Autobahnbrücke auf die andere Seite der Weser. Auf der linke Seite der Weser zu fahren war zwar ein kleiner Umweg, aber man hat mir die Strecke zurecht empfohlen. In Porta Westfalica angekommen (30 km) musste ich erst mal ein paar Bilder machen. Schon beeindruckend wie die Weser eine kleine Schlucht gefunden hat, um weiter Richtung Norden fließen zu können.

Porta Westfalica

Bis Minden waren es nur noch ca. 10 km und dort habe ich Rast an der Weser gemacht. In Minden hatte man mir eine Eisdiele empfohlen, die ich denn auch gleich aufsuchte. Es hatte sich gelohnt! Kurz danach sah ich einen Raddampfer auf der Weser.

Raddampfer

Ausflugdampfer habe ich viele gesehen, aber das war der einzige Raddampfer unter ihnen. Kurz nach Minden kam ich an die Weserbrücke wo der Mittellandkanal herüberfließt.

Mittellandkanalbrücke über die Weser

In ca. 10 km Entfernung lag als nächstes Ziel Petershagen, welches ich zur Kaffeezeit erreichte. Nach einem Kaffee fuhr ich durch die Innenstadt (wiederum schön, aber nicht aufregend) und über die Autobrücke in Richtung Osten zu meinen nächsten Dachgebern.

Diese wohnten ca. 10 km von Petershagen entfernt in einem kleinen Dorf. Dort angekommen stand ich auf einem großen landwirtschaftlichen Anwesen, aber dort war ich nicht ganz richtig. Meine Dachgeber wohnten in einem neuen Altenteilerhaus in der Nähe des Anwesens. Auch dort bin ich sehr nett empfangen worden. Später haben wir noch auf der Terrasse gegrillt.
 

13. Tag - ca. 120 km
Nach dem Frühstück fuhr ich im Regen auf der Mühlenroute in Richtung Norden und kam nach ca. 10 km wieder auf den Weserradweg.

Mühle

In Stolzenau hörte es wieder auf zu regnen. Weiter nach Landesbergen, wo ich an vielen Sandkuhlen vorbei kam. Ab Estorf musste ich leider an der Bundesstraße fahren.

In Nienburg (ca.40 km) angekommen türmte sich wieder ein Gewitter auf, aber es zog dann doch ab. In Nienburg habe ich Mittag gegessen und einen Kaffee getrunken.

Nienburg

Es war nicht leicht, den richtigen Weg aus Nienburg heraus zu finden. Passanten konnten mir auch nicht weiterhelfen. Die Schilder zeigten den Weg auf der linken Seite der Weser, aber laut Karte musste ich auf der rechten Seite bleiben. Dort blieb ich auch und fuhr weiter in Richtung Drakenburg. Dort bin ich wieder auf die linke Seite der Weser gefahren. Der Wind nahm langsam zu, aber noch hatte ich Rückenwind. Kleine Landstraßen führten mich nach Bücken und Hoya. Die Beschilderung zwischen Bücken und Hoya ließ zu wünschen übrig. In Hoya (70 km) musste ich die Karte wechseln und entschloß mich dann in Richtung Verden weiter zu fahren. In Oiste kam wieder ein Gewitter auf mich zu und deshalb machte ich erst mal Rast in einem Maschinenschuppen eines Landwirtes. Der Landwirt erzählte mir das es noch ca. 6 km bis Verden wären, wo dann die offizielle Weserroute weiterging. Ich war schon etwas spät in Zeit und der Wind nahm auch immer mehr zu, also entschloß ich mich auf der linken Seite der Weser zu bleiben. Mein Ziel war Sudwehye, wo meine Freundin wohnt. Ich fuhr nun eine Abkürzung dorthin. Der weitere Weg führte über Blender, Morsum und fast noch bis Thedinghausen. Kurz vor Thedinghausen kam ich wieder auf die Weserroute zurück. 

Mittlerweile hatte ich Gegenwind mit einer Windstärke von ca. 8-9. Ich konnte mich kaum noch auf dem Rad halten, geschweige denn voran kommen. Die letzten 30 km waren die Hölle! Nun kam auch wieder ein Gewitter auf und ich wollte mich auf einem Bauernhof unterstellen, aber der Landwirt hatte etwas dagegen. Zum Glück hatte der Nachbar ein Carport, wo ich mich unterstellen konnte. Mit den letzten Kraftreserven kam ich bei meiner Freundin an und habe mich dann einfach in einem Sessel geworfen. Mein Hund, der bei meiner Freundin war, war etwas irritiert von meinem Anblick. Der Hund hatte mich fast 2 Wochen nicht mehr gesehen, aber nach kurzer Zeit freute er sich, mich wieder zu sehen.

Nun musste meine Freundin mich, das Rad und den Hund wieder mit dem Auto nach Wilhelmshaven bringen, sonst hätte mein Hund die ganze Woche noch in Bremen bleiben müssen. Die letzte Etappe von Bremen nach Wilhelmshaven muß ich dann noch einmal nachholen. Schade!

Am nächsten Tag meldete sich Jürgen bei mir zuhause telefonisch und fragte, ob ich da wäre. Gegen Mittag war er bei mir. Wir aßen zusammen Mittag und tranken danach einen friesischen Tee zusammen. Danach wollte er wieder weiterfahren. Sein Ziel für die Nacht war Dangast bei Varel, und ich zeigte ihm den besten Weg dorthin!

Jürgen

Insgesamt war meine Deutschlandtour 1150 km lang, und ich hatte immer noch Lust auf mein Fahrrad zu steigen! Nun plane ich schon wieder für eine neue Tour. Für meinen Hund hoffe ich bald wieder einen Hundesitter zu finden, damit ich auch wieder los fahren kann. 
 


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Stand: 2004-05-20